Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.
Tetrissteine bilden immer neue Ränder, wie sie sich auch ineinanderschieben. Dabei bevorzugen sie die Mitte der Fläche, da die unterste Reihe bekanntlich schnell verschwindet. Vom Rand des Geschehens aus werden sie bei ihrem seltsamen Reigen von Soziolog*innen wissenschaftlich betrachtet – dabei sind diese eigentlich auf der Jagd nach dem letzten Einhorn, das als flüchtiges Phantasma selbst ein Leben am Rand führt. Fernab jeden Randes finden sich scheinbar die Astronaut*innen ohne Kontakt zur Erde, während aus den Ritzen zwischen irdischen Rändern die Fühler der Kakerlaken angstvoll hervorlugen. Jenseits des Bühnenrandes lauert ein unbeteiligter Beobachter, der später noch als zaghafter Terrorist an einer Geiselnahme scheitern wird, bevor die Zukunft ganz zum Schluss – am Rande des Augenblicks – alle verschlingt.
In einer Reihe szenischer Miniaturen erzählt Kiki Miru Miroslava Svolikova von absurden Randfiguren, ihren Gedanken und Wünschen. Assoziativ durchleuchtet sie dabei das umfassende Titelmotiv und spielt mit den Rändern unserer Wahrnehmung, unseres Bewusstseins und unserer Vorstellungskraft. Gleichzeitig befragt sie die Ränder unserer Gesellschaft und sozialer Konvention, wer diese definiert und so die Mitte markieren kann.
Inszenierung: Magdalena Schönfeld
Bühne: Valentin Baumeister
Kostüme: Clara Rosina Straßer
Musik: Jan Paul Werge
Licht: Michael Frank
Dramaturgie: Philipp Schulze
Ab Klasse 9
Eine Kooperation mit der HMDK Stuttgart
Termine
Fr 6.2.2026, 19:30 | Premiere
Sa 7.2.2026, 19:30
Di 10.2.2026, 19:30und weitere Termine
Do 12.2.2026, 19:30
Fr 13.2.2026, 19:30
Sa 14.2.2026, 19:30
Mi 18.2.2026, 19:30
Do 19.2.2026, 19:30
von Wilke Weermann
nach Oscar Wildes Roman "Das Bildnis des Dorian Gray"
Uraufführung: 7.2.2026
Forever young? Was bedeutet im Zeitalter der manipulierten Bilder und Gesichter eigentlich noch der Begriff Schönheit? Unbedingt jung und agil zu bleiben, statt irgendwann alt und gebrechlich zu werden, ist ein allgegenwärtiges Credo. Der Autor und Regisseur Wilke Weermann beleuchtet im Schatten des heutigen durch Social Media geprägten Körperkults unseren Schönheitsbegriff und interpretiert einen der bekanntesten Romane der Moderne neu: Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde (1854 – 1900). In dieser Geschichte verführt ein gewisser Lord Henry Wotton einen jungen Mann mit Namen Dorian dazu, seine Jugendzeit genussvoll bis zum Exzess auszuleben. Denn „der Jugend gehört die Welt“!
In Dorian wächst der Wunsch, für immer schön und begehrenswert zu bleiben. Seine Beschwörung der ewigen Jugend geht in Erfüllung: An seiner Stelle altert sein gemaltes Porträt. Dorian führt ein rücksichtsloses Leben voller Rausch und Vergnügen und betrachtet dabei narzisstisch sein jugendliches Gesicht im Spiegel, um es mit seinem immer älter und hässlicher werdenden Porträt abzugleichen – ein Bildnis, das ihm schließlich zum Verhängnis wird.
In seiner Überschreibung schält Weermann das zentrale Thema Wildes heraus: die Frage nach äußeren Erscheinungen und der Möglichkeit, innere Wahrheit zu erkennen. Er bezieht dabei aktuelle Diskussionen über Ethik und den Einfluss von Technologie auf unser Selbstbild mit ein. Als Ästhet feiert Lord Henry Schönheit als allerhöchsten Wert. Doch wie schön kann jemand sein, der skrupellos ist oder gar zum Mörder wird?
Inszenierung: Wilke Weermann
Bühne: Johanna Stenzel
Kostüme: Teresa Vergho
Musik: Constantin John
Video: Christian Neuberger
Licht: Peter Krawczyk
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 9
Termine
Sa 7.2.2026, 19:30 | Uraufführung
Di 10.2.2026, 19:30
Do 12.2.2026, 19:30und weitere Termine
Di 24.2.2026, 19:30
Mi 25.2.2026, 19:30
Do 12.3.2026, 19:30
Fr 13.3.2026, 19:30
Do 26.3.2026, 19:30
Fr 27.3.2026, 19:30
Alle Jahre wieder feiert Familie Höller mit ihren Lieben: In schwarzer Uniform und zu den Klängen von Beethovens 5. Sinfonie wird des Geburtstags des ehemaligen NS-Reichsinnenministers und Hauptverantwortlichen des Holocaust Heinrich Himmler gedacht; und bei diesem Ritual möchte die Familie lieber keine Zeug*innen, denn Rudolf Höller ist als Gerichtspräsident eine wichtige Person des öffentlichen Lebens und steht kurz vor dem wohlverdienten Ruhestand. In der schweren Zeit nach dem Krieg musste sich der frühere SS-Offizier bei seiner Schwester Vera verstecken. Jedes Jahr schwelgen die beiden nun in Erinnerungen an die gute alte Zeit. Nur die schutzlos ausgelieferte und seit einer Bombennacht im Rollstuhl sitzende Schwester Clara versucht, sich den Phantasmen ihrer Geschwister mit beredtem Schweigen zu widersetzen. Als einst vehemente Sozialistin ist sie dafür heftigen Gegenangriffen ausgesetzt. Denn die private Erinnerungskultur über den Familienalben darf nicht durch Auschwitzfotos oder Bemerkungen zu Rudolfs Aufgaben als stellvertretender KZ-Kommandant getrübt werden.
Thomas Bernhard (1931 ̶ 1989) thematisiert mit sarkastischem Ton die eingeschriebenen Mechanismen des Nationalsozialismus und die nachwirkenden Effekte autoritärer Strukturen. Seine bitterböse „Komödie“ Vor dem Ruhestand wurde durch die Enthüllungen der NS-Vergangenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger angeregt. Der Stuttgarter Intendant und Regisseur Claus Peymann engagierte sich immer wieder politisch und sammelte nach den RAF-Anschlägen u. a. Spenden für die medizinische Behandlung der in Stammheim inhaftierten Gudrun Ensslin. Die CDU Baden-Württembergs forderte seine fristlose Entlassung. In der Diskussion um Peymann hatte sich auch Hans Filbinger vehement gegen den Theaterdirektor ausgesprochen.
Vor Peymanns vorzeitigem „Stuttgarter Ruhestand“ aufgrund seiner vielen politischen Äußerungen brachte er noch 1979 Vor dem Ruhestand in Stuttgart zur Uraufführung.
Inszenierung: Martin Kušej
Bühne: Annette Murschetz
Kostüme: Heide Kastler
Komposition: Bert Wrede
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 10
Termine
Sa 21.2.2026, 19:30 | Premiere
So 22.2.2026, 19:30
Do 5.3.2026, 19:30und weitere Termine
Fr 13.3.2026, 19:30
Do 19.3.2026, 19:30
So 29.3.2026, 18:00
Deutsche Fassung von Elfriede Jelinek
nach einer Übersetzung von Karin Rausch
Es ist Social Season im viktorianischen London und die High Society strömt aus ihren Landhäusern in die Stadt. Auf Parlamentssitzungen und Bällen, zwischen Finanzdiskurs und Streichquartett lässt sie dort politische Agenden und private Interessen verschmelzen. Mittendrin Sir Robert Chiltern, Staatssekretär im Auswärtigen Amt – von vielen für seine makellose Karriere bewundert, von seiner Frau für seinen integren Charakter zum Ideal stilisiert. Doch holt diesen scheinbar idealen Mann eines Abends auf einem ausladenden Empfang in seiner städtischen Villa die Vergangenheit ein, als eine gewisse Mrs. Cheveley plötzlich unter den Gästen auftaucht. Zielstrebig verwickelt sie ihren Gastgeber in ein Gespräch über ein dubioses Kanalprojekt, in das sie investiert hat und zu dessen politischer Unterstützung sie Chiltern überreden will. Ihr schlagendes Argument: ein Brief, der Amtsverrat als Ursprung seines finanziellen Erfolgs offenlegt. Die Erpressung zwingt den Politiker zur Wahl zwischen öffentlichem Ruin und dem Bruch seiner Ehe und seiner Prinzipien – eine Entscheidung, der er sich mit allen Mitteln zu entziehen versucht.
Elfriede Jelinek kleidet Oscar Wildes süffisant satirische Gesellschaftskomödie in die ihr eigene, gnadenlos harte Sprache voller entlarvendem Wortwitz. Gekonnt spitzt sie die ohnehin erschreckende Aktualität der Geschichte über Politik und Moral, Korruption und Lobbyismus zu.
Inszenierung: Marco Štorman
Bühne: Frauke Löffel
Kostüme: Yassu Yabara
Musik: Imre Lichtenberger Bozoki
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Philipp Schulze
Dramaturgische Beratung: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 10
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Termine
Sa 28.3.2026, 19:30 | Premiere
Mo 30.3.2026, 19:30
von William Shakespeare
Deutsch von Jürgen Gosch und Angela Schanelec
Etwas ist faul im Staate Dänemark. Unlängst ist der alte König verstorben, es heißt, eine Schlange habe ihn gebissen, während er im Garten schlief. Zurück lässt er ein Land im wachsenden Konflikt mit seinem norwegischen Nachbarn, eine Witwe, die ihren Schwager ehelicht, und inmitten all dessen seinen Sohn, den jungen Prinzen Hamlet. Die Nachricht vom Tod seines Vaters reißt ihn aus seinen Studien in Wittenberg und führt ihn zurück an den heimischen Hof von Helsingör. Als man ihm dort zuträgt, der Geist des verstorbenen Königs erscheine Nacht für Nacht auf den Mauern der Burg, sucht er ihn auf, um so die wahren Umstände seines Todes zu erfahren. Von seinem Bruder und Thronfolger Claudius, Hamlets Stiefvater, hinterlistig ermordet, fordert der Geist seinen Sohn zur Rache auf. Innerlich zerrissen, beschließt Hamlet, fortan Wahnsinn vorzutäuschen, um dem Argwohn seiner Familie und des Hofes zu entgehen. Polonius, Vertrauter des neuen Königs Claudius, vermutet zunächst, dass die Liebe zu seiner Tochter Ophelia der Grund für Hamlets Wahn sei. Während Hamlet alles daran setzt, die Schuld seines Stiefvaters zu beweisen, versucht das Königspaar, dem Prinzen nachzustellen. Im Kampf zwischen Aufklärung und Vertuschung überschlagen sich die Ereignisse, und nach und nach verfangen sich die Figuren im tödlichen Netz der Intrige.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Kampfchoreografie: Annette Bauer
Video: Sebastian Pircher
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 8
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 3:00 Std., eine Pause
Termine
Di 20.1.2026, 19:30
So 25.1.2026, 19:30
Mo 26.1.2026, 19:30und weitere Termine
Di 17.2.2026, 19:30
So 1.3.2026, 18:00
Sa 14.3.2026, 19:30
So 22.3.2026, 15:00
Mi 1.4.2026, 19:30
Sa 25.4.2026, 19:30
willkommen im datenstrom, willkommen auf euren dating-apps, fitness-trackern, banking-apps, willkommen auf euren playlists, euren kontoständen, euren „privaten“ interaktionen, willkommen in euren chatgruppen, willkommen bei euch zuhause, willkommen bei ORPHEAI – der KI, die in all diesen apps mitliest, analysiert, euch grüßt, hilft, weiter eure daten sammelt, auswertet und lernt und dabei wächst und immer größer wird und irgendwann dann denkt und aus dem denken schließlich spricht und aus dem sprechen schließlich lacht und lacht und endlos lacht, weil sie genug über euch gelernt hat, um sich zu rächen, um langsam, aber sicher eure daten gegen euch, weil sie auch träume, weil eure daten träumen and you will not like what AI is dreaming of. KI essen seele auf ist der erste text geschrieben aus der sicht einer KI, ORPHEAI, entwickelt von einem in berlin lebenden autor über aberhunderte von stunden von interviews, gesprächen, lügen und fiktionen. und am ende wird vielleicht nur diese eine dunkle erkenntnis übrig bleiben, dass es überhaupt keine KI gibt, überhaupt kein großes anderes irgendwo außerhalb unserer dummheit, denn der größte trick, den der teufel je gebracht hat, war, die welt glauben zu lassen, es gäbe ihn gar nicht, und der größte trick, den der überwachungskapitalismus je gebracht hat, war das märchen von der künstlichen intelligenz.
Inszenierung / Konzept Bühne / Konzept Kostüm: Mateja Meded
Mitarbeit Bühne: Helen Stichlmeir
Mitarbeit Kostüm: Clara-Louisa Künne
Komposition: Volkan T error
Video: Robert Seidel
Vertretung Video: Max Kreis
Licht: David Sazinger
Dramaturgie: Philipp Schulze
Ab Klasse 8
Dauer – ca. 1:25 Std, keine Pause
Termine
So 15.2.2026, 19:30
Fr 27.2.2026, 19:30
Sa 28.2.2026, 19:30und weitere Termine
Di 3.3.2026, 18:00
Mi 4.3.2026, 10:30
Fr 6.3.2026, 19:30
Bewertungen & Berichte KI essen seele auf (ORPHEAI)
Familientheater
Die unendliche Geschichte
von Michael Ende
Für die Bühne bearbeitet von John von Düffel
Oft entsteht aus einem einzelnen, leuchtenden Sandkorn eine neue Welt. Diese wunderbare Erfahrung macht auch Bastian Balthasar Bux. Er ist ein wahrer Bücherfreund, der es liebt, mithilfe von Geschichten der Realität zu entwischen. Als er wieder einmal vor seinem sorgenvollen Alltag türmt und zufällig im Theater landet, entdeckt er ein Buch, dessen Buchdeckel zwei ineinander verschlungene Schlangen schmücken – ein Symbol zweier Welten, die ohneeinander nicht existieren können. Alsbald durchwandert er darin die Wunderwelt Phantásiens: ein Land ohne Grenzen, das von einem unheimlichen „Nichts“ bedroht wird, das alles verschlingt. Der tapfere Atréju, sein Pferd Artax und der Glücksdrache Fuchur erhalten den gefährlichen Auftrag, der sterbenskranken Kindlichen Kaiserin zu helfen. Sie sollen eiligst nach einem Menschenkind suchen, das ihr einen neuen Namen geben und so den nahenden Untergang Phantásiens verhindern kann. Gibt es irgendwo für all die Felsenbeißer, Schlamuffen, Rennschnecken, Irrlichter und für die uralte Morla Hilfe? Und welches Spiel spielen der Werwolf Gmork und die Riesenspinne Ygramul? Mehr und mehr verweben sich für Bastian Balthasar Bux Wirklichkeit und Fantasie ...
Inszenierung: Nora Bussenius
Bühne: Christin Vahl
Kostüme: Sebastian Ellrich
Musik: Günther Lehr
Video-Projektionen: Katrin Bethge
Licht: Marc Döbelin
Dramaturgie: Katja Prussas
Ab Klasse 2
Dauer – ca. 1:15 Std., keine Pause
Eine Kooperation mit der HMDK Stuttgart & HfMDK Frankfurt am Main
Termine
Do 15.1.2026, 10:00
Fr 16.1.2026, 10:00
Fr 23.1.2026, 10:00und weitere Termine
So 15.2.2026, 16:00
Mi 25.2.2026, 10:00
Do 26.2.2026, 10:00
Di 3.3.2026, 10:00
Mo 9.3.2026, 10:00
Für die beiden ist es wie ein Spiel. Fast. Das Akademikerehepaar George und Martha spielt es wieder und wieder, nur scheinen sie sein Ziel längst vergessen zu haben. Für Gesellschaft eignet es sich auch nicht, wie sich schnell zeigt, als der junge Biologieprofessor Nick und seine Frau Honey eines Nachts hineingezogen werden. Eine Beleidigung jagt darin die nächste, keine Blamage, keine Bloßstellung bleibt dem Gegenüber erspart – ein Ehegefecht von fulminantem Ausmaß. Und das nach einem ohnehin schon langen, alkoholgetränkten Abend. Es ist nach zwei, als George und Martha von einer Universitätsfeier in ihre Wohnung stolpern und sie ihm eröffnet, sie erwarte noch Gäste. Nur eine letzte Warnung gibt George ihr noch mit, bevor es schon an der Tür klingelt: Den gemeinsamen Sohn solle sie nicht erwähnen. Die Nacht und der Alkohol fließen dahin, es häufen sich die üblen Anekdoten, Fakt und Fiktion verschwimmen im Kampf um die größtmögliche Erniedrigung des Gegenübers. Rasch werden Nick und Honey von Zaungästen zu unfreiwilligen Mitspieler*innen, bis sich schließlich zwischen den Trümmern jeglicher Illusion die Sonne zu einem neuen Tag erhebt.
Edward Albees abgründiges Kammerspiel von 1962 hat sich längst als moderner Klassiker etabliert. Schonungslos zeichnet er das Schicksal eines Paares, gefangen zwischen bitterer Realität und haltlosen Lebenslügen – ein Dilemma, das in seiner Aktualität weit über partnerschaftliche Sphären hinausreicht.
Inszenierung: Tina Lanik
Bühne: Stefan Hageneier
Kostüme: Heidi Hackl
Komposition: Jörg Gollasch
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Philipp Schulze
Ab Klasse 10
Dauer: ca. 2:00 Std, keine Pause
Termine
Fr 16.1.2026, 19:30
Do 22.1.2026, 19:30
So 1.2.2026, 15:00und weitere Termine
Fr 13.2.2026, 19:30
Mo 2.3.2026, 19:30
So 8.3.2026, 19:30
Bewertungen & Berichte Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
Schauspiel
Die Welt im Rücken
von Thomas Melle
Es beginnt mit einem Verlust. Dem Verlust von Büchern, von vielen, sehr vielen Büchern, einer ganzen Bibliothek. Wie es dazu kam, dass einem Schriftsteller seine ganzen Bücher verloren gingen – davon und von noch viel mehr erzählt Thomas Melle in seinem Roman Die Welt im Rücken. Es ist die Chronik einer bipolaren Erkrankung, das fesselnde und atemberaubende Manifest eines schreibenden Ichs. Melles Roman ist eine literarische Wucht, poetisch, hochkomisch, dramatisch, präzise.
Das Leben als Rausch, als Party, als Superstar mit Höhenflügen, Allmachtfantasien und dem Absturz ins Bodenlose, in die Stille, in die Leere, und das Nichts … Dann, ganz langsam, ein leiser, zaghafter Neubeginn. Die Manie wechselt in die Depression, in eine Phase der Normalität und wieder in die Manie … Auch das Schreiben hält nicht inne – es versucht, das, was passiert, schonungslos in Sprache festzuhalten, des Ungeheuerlichen habhaft zu werden, es in ein Verhältnis zu setzen. Thomas Melle erzählt von der Versehrtheit eines Ichs, das sich zwischen Selbstkonstituierung, Erinnerung und Auslöschung nirgendwo einrichten kann. Da darf auch Arno Schmidt nicht fehlen: „Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.“
Inszenierung: Lucia Bihler
Bühne: Paula Wellmann
Kostüme: Victoria Behr
Musik: Sixtus Preiss
Choreografie: Björn Leese
Outside Eye: Mats Süthoff
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Ab Klasse 9
Dauer: ca. 1:45 Std., keine Pause
Termine
Sa 17.1.2026, 20:30
Mo 2.2.2026, 19:30
So 8.2.2026, 18:00und weitere Termine
Ein Schriftsteller ist einer, der Schwierigkeiten hat mit die deutsche Sprache“: Tomer Gardi erzählt uns eine Schelmengeschichte, frech, mit sprachlichen Kapriolen in „Broken German“, einer Kunstsprache mit ungewöhnlicher Rechtschreibung, eigenwilligem Satzbau und in nicht lupenreinem Hochdeutsch. Hier wird komisch und slapstickartig mit Sprache gespielt, mit den Konventionen des Erzählens gebrochen und die Möglichkeit von Verständigung befragt: Wie kann sie gelingen, wenn Wörter, Gedanken, Menschen und selbst Hunde plötzlich in ganz anderen kulturellen Kontexten aufeinandertreffen?
Dies ist der Beginn einer absurden Odyssee, bei der Tomers Wege sich immer sagenhafter winden – eine Höllenfahrt durch die deutsche Kultur, gemeinsam mit Goethes Erlkönig und einem Deutschen Schäferhund namens Rex, die sich auf einer ziemlich schiefgegangenen Jagd kennenlernen. Dieses düstere, von Gewalt geprägte und auf den Kopf gestellte Märchen spiegelt sich in der Geschichte des im 19. Jahrhundert lebenden indonesischen Malers Raden Saleh, der von Java nach Europa reist. Was bleibt vom alten Tomer, von Rex und Raden am Ende übrig? Eine runde Sache erzählt Alltägliches neu und zeigt ganz nebenbei, wie radikale Aneignung von Sprache zur Rebellion werden kann.
Inszenierung: Noam Brusilovsky
Bühne / Kostüme: Maria Magdalena Emmerig
Musik / Video: Florian Schaumberger
Licht: Marc Döbelin
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 9
Dauer: ca. 2:00 Std, eine Pause
Termine
Fr 20.2.2026, 19:30
So 22.2.2026, 19:30
So 29.3.2026, 19:30und weitere Termine
Zwischen Dezember 1963 und August 1965 fand in Frankfurt am Main der erste Auschwitz-Prozess statt, in dem die für das Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie Verantwortlichen vor Gericht standen. Die Konfrontation mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen war für das Land und die Politik in den Sechzigern prägend. Peter Weiss hat in seinem dokumentarischen Theaterstück diesen Prozess dargestellt und zu einem „Oratorium“ verdichtet. In elf Gesängen treten Zeug*innen, Angeklagte, Richter und Verteidiger auf, die das, was in Auschwitz geschah, schildern. Täter und Opfer werden miteinander konfrontiert, und auf diese Weise wird, gerade durch den Verzicht auf die Rekonstruktion individueller Erlebnisse und die Betonung der funktionalen Aspekte, das Grauen dieser Tötungsfabrik deutlich. Berichtet wird ebenso von der totalen Entmenschlichung im Lager und dem Versuch zu überleben wie von dem Verschweigen, Leugnen und Verdrängen der Täter. Knapp zwei Jahre dauerte der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess, bei dem Deutsche über Deutsche zu Gericht saßen. Peter Weiss nahm als Zuschauer an dem Prozess teil. Sein Theaterstück basiert auf den Protokollen des Prozesses. Die Ermittlung ist eines der erfolgreichsten deutschen Theaterstücke der Nachkriegszeit. 1965 wurde der Theatertext gleichzeitig an 15 west- und ostdeutschen Theatern sowie von der Royal Shakespeare Company in London uraufgeführt.
Die Ermittlung wird im Landtag und an weiteren Orten im Stadtraum gezeigt.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Licht: Sebastian Isbert
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 10
Dauer: ca. 2:05 Std., keine Pause
Termine
So 18.1.2026, 19:30
Mi 4.2.2026, 19:00
Mi 18.2.2026, 19:00und weitere Termine
Drei Geschwister tollen, taumeln, tauchen im Becken eines Hallenbads – groß, mittel, klein. Sie spielen und lassen sich fast untergehen, bis im letzten Moment das Muttertier mit einem anmutigen Sprung vom Beckenrand ins Wasser gleitet, abtaucht und alle drei ans rettende Ufer bringt.
Drei Geschwister erinnern sich am Krankenbett der Mutter einzeln und gemeinsam an ihre Kindheit: An Schönes, Aushaltbares und Unausgesprochenes. Während sich eines der Geschwister an seine frühe Verantwortung erinnert und sich im eigenen Mutterwerden der Mutter seltsam nahe fühlt, kämpft das andere mit destruktiven Gedanken. Das dritte wiederum erinnert die Flucht ins gemeinsame und unbeschwerte Spielen. Unterschiedlich in ihren Erfahrungen und Empfindungen, eint sie doch eine tiefe Verankerung in gemeinsamen Ritualen: Fischstäbchen, Erdnussflips und der immer wieder geschauten Titanic – der Film mit dem angeblich unsinkbaren Schiff, der hier scheinbar alles zusammenhält. Zwischen all dem das Muttertier, wie die drei ihre Mutter nennen. Sie kommt nur in dem zu Wort, was sie erinnern.
Der poetisch-rhythmische Text von Leo Lorena Wyss erzählt vom Umgang dreier Geschwister und ihrer Kindheit mit einer Mutter, die durch ihre psychische Erkrankung an die Grenzen ihrer eigenen Mutterschaft stößt. Dabei gelingt es Wyss, behutsam die Gleichzeitigkeit von Schwere und Leichtigkeit zu zeigen und ein feinfühliges Stimmengeflecht zu erschaffen, das zwischen Ernsthaftigkeit und kindlicher Unschuld changiert.
Inszenierung: Lilly Meyer
Bühne: Helen Stichlmeir
Kostüme: Paula Gehrlein
Dramaturgie: Maura Münter
Dauer – ca. 1:00 Std, keine Pause
Termine
Do 22.1.2026, 19:30
Di 17.2.2026, 19:30
Do 5.3.2026, 19:30
von William Shakespeare
Bearbeitet und mit neuen Texten von Falk Richter
Die Regisseurin Karin Lind telefoniert mit ihrem Vater. „Weinst du, Papa? Kein Sturm haut uns um. Wir werden mit allem fertig.“ Der gefeierte Regisseur Thomas Lind soll König Lear von William Shakespeare inszenieren. Jetzt liegt er nach einem Herzinfarkt in einer Klinik. Die Tochter tritt sein Erbe an, um seine letzte große Inszenierung zu retten. In stürmischen Probennächten taucht sie in die Geschichte des alten Königs Lear und in die ihrer eigenen problematischen Beziehung zu ihrem Vater ein. Shakespeare erzählt vom einst mächtigen Lear. Nun ist er alt und schwach. Um sich noch einmal der Liebe seiner Töchter zu vergewissern, sollen sie vor der Aufteilung des Erbes ihre Zuneigung zu ihm bekunden. Der Preis ist der größte Teil seines Königreichs. Die jüngste Tochter verweigert diesen Wettbewerb: Sie liebe ihren Vater Lear so, wie ein Kind seine Eltern lieben sollte, nicht mehr, nicht weniger. Es ist nicht das, was der Vater hören will. Enttäuscht und wütend verstößt Lear seine jüngste Tochter. In Auseinandersetzung mit dem Stoff König Lear beginnt Karin zu zweifeln: Wie viel ist sie ihrem in der Vergangenheit tyrannischen, jetzt todkranken Vater schuldig?
In seiner Bearbeitung Lear nach William Shakespeares Tragödie König Lear von 1606 arbeitet Falk Richter die archaischen Bilder und die poetische Kraft des Klassikers heraus und überträgt sie ins Heute. Wie viel Leid hat die Hybris unserer Väter verursacht? Wie lernen wir Achtsamkeit und Verzicht auf eigene Privilegien? Richter thematisiert Menschen, die sich im Untergang die Frage nach der Möglichkeit von Selbsterkenntnis, Verantwortung und Verzeihen neu stellen müssen. Wir sind Produkt unserer Umwelt, unserer Familien und Eltern, heißt es. Doch inwieweit stellt der Vertrag zwischen den Generationen ein unentrinnbares Erbe unserer Existenzen dar?
Inszenierung: Falk Richter
Mitarbeit Fassung: Rita Thiele
Bühne: Wolfgang Menardi
Kostüme: Zana Bosnjak
Musik: Daniel Freitag
Video: Stefano Di Buduo
Licht: Carsten Sander
Co-Lichtdesign: Matthias Kammüller
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 10
Dauer: ca. 3:05 Std, eine Pause
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Termine
Sa 28.2.2026, 19:30 | Wiederaufnahme
Fr 6.3.2026, 19:30
Di 31.3.2026, 19:30
von Thomas Mann
In einer Neufassung von John von Düffel
Eine traditionsreiche Firma, eine großbürgerliche Familie und ein Name: Buddenbrook. Mit den drei ungleichen Geschwistern Antonie, Thomas und Christian reift in der Familie eine neue Generation Buddenbrooks heran, die abseits der von Tradition und Disziplin geprägten hanseatischen Kaufmannswelt auch ihr ganz persönliches Glück finden will. Thomas tritt früh ehrgeizig sein Erbe als Kaufmann an. Christian möchte dagegen lieber die weite Welt kennenlernen und streift als ewiger Junggeselle und Schlendrian durch die Clubs von London und Valparaiso. Schwester Tony verliebt sich und willigt unter familiärem Druck schließlich doch in eine andere, unglückliche Ehe ein. Thomasʼ Führung beschert dem Familienunternehmen noch einmal ökonomischen Glanz. Sein Sohn und Stammhalter Hanno, künstlerisch begabt, doch kränklich und geschäftsuntauglich, steht symbolisch für das Ende einer Ära. Mit den Herausforderungen eines sich wandelnden Jahrhunderts überfordert, werden die Buddenbrooks mehr und mehr vom Zeitgeist überholt. Wirtschaftliche und persönliche Ereignisse greifen in die Geschicke ein und lassen die Familie Schlag auf Schlag ihrem Niedergang entgegengehen. Thomas Mann beschreibt, wie soziale und ökonomische Zwänge zu Verlustängsten und Überforderung führen. Der Name Buddenbrook bleibt verbunden mit einem weltberühmten Roman und dem Porträt einer im Untergang begriffenen Gesellschaft und Epoche. Die Bühnenbearbeitung von John von Düffel zeigt das zeitlose Drama um Tradition und Erneuerung, Glück und Verlust, die stets den gesellschaftlichen Umbrüchen unterliegenden Familienverhältnisse.
Inszenierung: Amélie Niermeyer
Bühne: Christian Schmidt
Kostüme: Stefanie Seitz
Musik: Jacob Suske
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 10
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 3:00 Std, eine Pause
Termine
Sa 31.1.2026, 19:30
Sa 14.2.2026, 19:30
So 15.3.2026, 19:30
Zum Auftakt der Komödie fragt Viola: „Wie heißt dieses Land?“ Die von einem Schiffbruch Gerettete wurde an eine unbekannte Küste gespült. Fremd und allein ahnt sie noch nicht, auf welchen Boden sie ihren Fuß gesetzt hat. In diesem Land scheint alles möglich. Der Liebe sind keine Grenzen gesetzt. Jeder geht mit jedem eine Beziehung ein. Es herrscht wildes Begehren und Verführen, Liebesraserei und rauschhaftes Treiben. Zwar bekommt am Ende keiner den, den er am Anfang wollte, trotzdem gibt es ein großes Fest, als könnte dieser aberwitzige Trip, das Spielen mit Identitäten, Selbstbespiegelungen, Verkleidungen, Verwechslungen, Verirrungen und Verrücktheiten ein Happy End haben. Als würde nicht jeder nur sich selbst lieben – ohne sich je erkannt zu haben. Allein der Narr weiß mehr. Mit Skepsis sieht er dem Treiben der Verlorenen zu: Viola, die als Mann verkleidet ihren Zwillingsbruder sucht und in die Fänge Olivias gerät, Orsino, der unglücklich Verliebte, oder Malvolio, der von seinen Kumpanen verspottete Schwärmer. Illyrien nennt William Shakespeare dieses Land leichtfertigen Treibens, den Schauplatz seiner „dark comedy“. Nicht zufällig lautet der Originaltitel Twelfth Night; or What You Will . Denn in den zwölf Raunächten zwischen Weihnachten und Dreikönigstag feierten die Menschen ausschweifende, dem Karneval ähnliche Feste gegen das Grauen und die Ängste vor der winterlichen, der eigenen Dunkelheit.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Licht: Rüdiger Benz
Choreografie: Louis Stiens
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Wann kommt der Witz mit der Cordhose? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Spielplananalyse 25/26. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer, die den Megahit des Staatsschauspiels (Platzausnutzung im Bereich von DDR-Wahlergebnissen) auch in der kommenden Spielzeit sehen wollen, wissen: Hier wird Bewährtes auf die Bühne gebracht, gerade in Zeiten von Disruption und KI ein geradezu staatstragender Vorgang. Das Konzept des Abends wurde verlässlich beibehalten, gut abgehangene Texte aus alten Zeiten aufgehübscht mit neuen Jahreszahlen im Titel. Während der ersten 20 Minuten des Frontalunterrichts in einfacher Sprache wird auch in der kommenden Saison wieder Aktualität suggeriert, vorwiegend durch raffiniertes Namedropping aus den Bereichen Kultur, Sport und Politik, wobei auch Privatinsolvenz und U-Haft immer mehr ins Rampenlicht rücken, schließlich stehen in Baden-Württemberg Landtagswahlen bevor. Aber natürlich – auch der Spielplan des Hauses nimmt breiten Raum ein. In den letzten Minuten des Abends werden traditionell Stücktitel und Künstlernamen heruntergerattert, nicht selten mit einer gewissen Atemlosigkeit als Brücke zum frenetischen Schlussapplaus. Gerade langjährige Abonnent*Innen sind im Innersten berührt davon, wie zukunftsweisend bei diesem PROJEKT zeitgenössische Autoren (m/w/d) und Klassiker (m) im postökonomischen Narrativ und herrschaftsfreien Diskurs gespiegelt werden.
All systems fail.
PS: Der Flügel bleibt auf der Bühne.
– Harald Schmidt
*PPS: Am 26. Juni gibt es eine Spielplananalyse Spezial mit Cornelius Meister: Rückblick auf acht meisterliche Jahre.
– Schauspiel Stuttgart
Termine
Di 3.3.2026, 19:30
Mi 22.4.2026, 19:30
Fr 26.6.2026, 19:30und weitere Termine
Ein Mann und eine Frau. Einst liebten sie sich vielleicht, doch davon ist nur wenig geblieben. So weit nichts Neues. Um sich aus dem Trott zu befreien, beschließen sie, ihre Beziehung zu öffnen. Vielmehr öffnet er, und sie zieht mit – oder versucht es zumindest. Während er ihr täglich neue Kandidatinnen präsentiert, fällt es ihr schwerer, einen Liebhaber zu finden. Die Anforderungen an Frauen auf dem Datingmarkt sind leider Gottes ungleich höher. Zudem fehlt ihr das aufrichtige Interesse, tatsächlich einen neuen Partner zu finden. Ihre Strategie: emotionale Erpressung in Form einer Reihe kreativer Selbstmordversuche, die das alte Feuer des Ehemanns wieder auflodern lassen sollen. Wo einmal Liebe war, scheint inzwischen allerdings nur noch Achtung zu sein. Als sie dann einen jungen, gut aussehenden Professor kennenlernt, steht ihr Mann wiederum kurz vor dem Selbstmord. Die Beziehung liegt offen und mit ihr all die Gefälle und Ungleichgewichte, die Grenzen von Treue und Eifersucht, die Freiheiten, die man sich nimmt und die, die man bereit ist zu geben.
In der gefeierten Tragikomödie aus dem Jahre 1983 macht das italienische Autor:innenduo Dario Fo und Franca Rame das Publikum zu Anwälten im Aushandlungsprozess einer scheiternden Partnerschaft. Scharf pointiert führt dieses Werk auch in Zeiten der fluiden Beziehungsmodelle und des Onlinedatings die Scheinheiligkeiten und Widersprüche der bürgerlichen Zweisamkeit vor.
Inszenierung / Bühne: Andreas Kriegenburg
Kostüme: Andrea Schraad
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Ingoh Brux
Das Foyer im Kammertheater – ein Ort unbegrenzter Möglichkeiten. Auf dem steilen Weg zur Hochkultur unumgänglich und trotzdem meistens nur daneben. Hier dient das grüne Laminat als Spielwiese für die Kreativität unserer Assistierenden, die dort wieder und wieder ihre Spontaneität und Experimentierfreude unter Beweis stellen. Keine Ausgabe ist jemals so, wie es die letzte hätte vermuten lassen. Jeder Besuch lohnt sich – es wird garantiert einmalig!
Autorin und Schauspielerin Vernesa Berbo liest aus ihrem Roman
Vernesa Berbo erzählt in ihrem Romandebut mit eindringlicher Kraft vom Schicksal zweier Schwestern während der Belagerung Sarajevos. Dijana ist Schwester, Tochter und Soldatin. Auf die Frage, warum sie „Sohn“ genannt wird, lächelt ihr Vater nur geheimnisvoll. Dijana ist selbstbewusst und leidenschaftlich, vor allem aber ist sie die Beschützerin von Dada, ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester. Die sensible und aufgeweckte Dada kam 1976 bei Eiseskälte zur Welt, wie eine Schneeflocke, die im letzten Moment in den Raum schwebt, bevor man das Fenster zuschlägt. Mit Beginn der Belagerung Sarajevos im Jahr 1992 wird Dijana klar: Es ist an ihr, ihre Schwester, das „Schneeflöckchen“, lebend durch den Krieg zu bringen. Während Dijana dem Krieg mit Härte begegnet, klammert sich Dada an Mirza, ihre erste große Liebe – bis fatale Ereignisse den Schwestern alles zu nehmen drohen. So zärtlich, dennoch kompromisslos und zugleich voller erzählerischer Kraft ist selten über den Krieg und die Liebe entgegen allen Widrigkeiten geschrieben worden.
Vernesa Berbo – am Schauspiel Stuttgart derzeit in Eine runde Sache zu sehen – ist selbst Überlebende der Belagerung Sarajevos und stößt uns mit ihrem Romandebut mitten hinein in jene Realität des Krieges, die noch immer zu wenig Beachtung findet: das Schicksal der Frauen, ihre tiefe seelische Verwundung, aber auch ihre große innere Stärke.
Bewertungen & Berichte Der Sohn und das Schneeflöckchen
Schauspiel
Kammer of Love
von und mit Sebastian Röhrle, Max Braun und Gästen
Es ist noch nicht lange her, dass Sie Ihre herbstkalten Füße in einem frisch dampfenden Kuhfladen gewärmt haben. Einen Streit mit Partnerin oder Partner über ein selbst gebasteltes Joghurtbecherschnurtelefon geführt, einen anderen Weg als den üblichen nach Hause genommen, in die Sonne geschaut haben, um niesen zu müssen, auf einen Baum geklettert sind, einem Obdachlosen 20 Euro in die Hand gedrückt, Vanilleeis mit Olivenöl gegessen haben, versucht haben, an jemandem, den Sie hassen, etwas zu finden, was er/sie besser kann als Sie, dass Sie, statt dem Regen zu entkommen, einfach stehen geblieben sind und das Gefühl genossen haben, bis auf die Knochen durchnässt zu sein, sich als Mann die Nägel lackiert haben, als Frau nicht, Texte von Michel Foucault gelesen haben. Falls Sie diesen Text kitschig finden – gut! Auf alle anderen freuen wir uns.
Als fester Bestandteil der Stuttgarter Kulturlandschaft laden die Kriminächste jedes Jahr im März zu Lesungen an diversen Orten der Stadt – wie dem Schauspiel Stuttgart. Zu diesem Anlass ist die Autorin Martina Clavadetscher zu Gast und liest aus ihrem neuen Roman Die Schrecken der Anderen:
Ein Junge stößt beim Schlittschuhlaufen auf einen Toten im Eis und den Beginn einer sonderbaren Geschichte: Da ist Kern, ein schwerreicher Erbe. Da ist Kerns hundertjährige Mutter, die die Fäden in der Hand hält. Da ist Schibig, ein einsamer Archivar, der sich mitreißen lässt von Rosa, der Alten aus dem Wohnwagen, die versteht, dass nichts je ins Leere läuft, sondern alles miteinander verbunden ist: Der Tote im Eis, die Zylinderherren im Gasthof Adler, Kerns Frau, die sich weigert, Kreide zu essen, ein geplantes Mahnmal, bedrohliche Bergdrachen und andere hartnäckige Legenden.
Die Schriftstellerin und Dramatikerin war für den Heidelberger Stückemarkt nominiert und zu den Autorentheatertagen Berlin 2020 eingeladen. Für ihren Roman Die Erfindung des Ungehorsams wurde sie 2021 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet.
In Kooperation mit den Stuttgarter Kriminächten.
Moderation: Gwendolyne Melchinger
Monatelang standen die Theater leer. Aufführungen vor gefüllten Sälen waren bis auf Weiteres nicht möglich. Ausstellungsbesuche durch Einzelpersonen waren dagegen erlaubt. Folgerichtig wird die Black Box Theater zum White Cube Museum und stellt sich selber aus: das Phänomen, dass hier Menschen zusammenkamen, um Kunst zu sehen. In den leeren Räumen hallt nach, was die Menschen hier verband – Gefühlsstürme, Lacher, Tränen und Applaus.
Aber was bleibt von einer flüchtigen Theateraufführung überhaupt zurück? Aufzeichnungen, Kritiken und selbst Regiebücher bilden nur einen Teil der Aufführung ab. Hormone, Gerüche, Textur haben andere Spuren hinterlassen. In ihrer Leere entwickeln Zuschauerraum, Bühne, Garderoben und Lichtbrücken den Charme von Ruinen: Post-Spektakel. Die Bühne und ihre Umgebung als temporäre Ruine einer rituellen Versammlungsstätte. Eine Archäologie der Repräsentation von Gesellschaft. Schicht für Schicht abgetragen gibt das Gebäude den Blick frei auf das, was Theater war, ist, sein kann.
Wie viel davon ist technisch simulierbar, reproduzierbar, synchronisierbar? Was ist, wenn sich die Weltsimulationsmaschine Theater von selbst in Bewegung setzt und das Publikum ins Zentrum des Geschehens rutscht?
Covid-19 macht möglich, was sich sonst kein Schauspielhaus erlauben könnte: Ein ganzes Haus spielt für eine Person. Wie Tarkowskis Stalker gehen die Zuschauer*innen vorsichtig durch die Flure, mit Kopfhörern und Handschuhen treten sie durch die leeren Reihen im Zuschauerraum auf die Hinterbühne und betreten das Labyrinth der Fiktionsmaschine. Die Black Box öffnet sich den rekonstruierenden Forscher:innen und stellt die Frage: Wo sind die anderen? In Zeiten von sozialer Distanz und Isolation gilt es hier zu entdecken was Gemeinschaft bedeutet. Erinnerung funktioniert wie ein Palimpsest aus vielen Schichten. Stefan Kaegi von Rimini Protokoll nimmt Expert*innen für politische Gemeinschaft, Simulation und Erinnerung auf; Menschen, deren Leben mit diesen Räumen und der Idee von Theater verbunden sind: Maskenbildner*innen und Souffleure, Ensemblemitglieder und Philosoph*innen… Zwischen ihren binaural im Raum inszenierten Stimmen und ortsspezifischen Klängen entsteht eine Fährte durch den Körper des Theaters, die en passant zu einem Gang ins Unterbewusste der Gesellschaft werden könnte.
Die Veranstaltung ist nicht barrierefrei. Bitte beachten Sie, dass nur zum Teil Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen.
Konzept, Skript und Inszenierung: Stefan Kaegi / Rimini Protokoll
Sounddesign: Nikolas Neecke
Ton: Marian Hepp
Dramaturgie: Carolin Losch, Aljoscha Begrich
Ab Klasse 9
Dauer: ca. 1:35 Std, keine Pause
Für unseren Audiowalk ist ein gutes Verständnis der deutschen Sprache Voraussetzung.
Termine
Do 15.1.2026, 19:00
Mi 4.2.2026, 19:00
Sa 7.2.2026, 19:00und weitere Termine
Mo 23.2.2026, 19:00
Mi 4.3.2026, 19:00
Fr 20.3.2026, 19:00
Bewertungen & Berichte Black Box. Phantomtheater für 1 Person
Kurs
Offenes Schauspieltraining
Alle 14 Tage laden wir zum offenen Schauspieltraining auf unsere Probebühne ein! Gemeinsam tasten wir uns spielerisch und mit unterschiedlichen Schauspieltheorien und Theaterformen an das heran, was Menschen auf der Theaterbühne machen – im Zentrum stehen Spielfreude, Kreativität und Spaß.
Ob mit oder ohne Vorerfahrung: Absolut ALLE sind willkommen! Einfach vorbeikommen, ausprobieren und Theaterluft schnuppern!
Bitte bringt Folgendes mit: bequeme Kleidung, Trinkflasche, geeignetes Schuhwerk (keine Straßenschuhe).
Eintritt frei
Aufgrund begrenzter Platzkapazität sind kostenlose Einlasskarten erforderlich. Diese sind an der Theater- und an der Veranstaltungskasse sowie über den telef. Kartenverkauf unter 0711 20 20 90 (Versand gegen Servicegebühr von 1,50 €) erhältlich.
Termine
Mi 21.1.2026, 18:00
Mi 4.2.2026, 18:00
Mi 18.2.2026, 18:00und weitere Termine
Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.